OneDrive ablösen – ein praktischer Schritt zum Digital Independence Day

Cloud-Speicher sind längst Teil der digitalen Grundversorgung. Verträge, Projektdateien, Fotos, Steuerunterlagen – vieles liegt dauerhaft in der Cloud. Genau deshalb ist die Wahl des Cloud-Anbieters keine rein technische Entscheidung, sondern auch eine Frage von Verantwortung, Abhängigkeit und Gestaltungsfreiheit.

Der Di.Day (Digital Independence Day) macht genau darauf aufmerksam:
Digitale Unabhängigkeit beginnt nicht bei großen politischen Programmen, sondern bei alltäglichen Entscheidungen, die wir oft unreflektiert treffen.

Dieser Artikel ist mein Beitrag dazu. Am Beispiel von Microsoft OneDrive zeige ich,

  • warum ein Wechsel sinnvoll sein kann
  • und welche deutschen und europäischen Alternativen im Alltag wirklich tragfähig sind.

Di.Day: Digitale Unabhängigkeit ist keine Ideologie

Der Di.Day fordert keinen radikalen Bruch mit bestehenden Technologien.
Er fordert etwas deutlich Nüchterneres: Bewusstsein.

Viele digitale Abhängigkeiten entstehen nicht aus Zwang, sondern aus Bequemlichkeit:

  • Dienste sind vorinstalliert
  • Alternativen sind wenig sichtbar
  • Wechsel erscheinen aufwendig

Cloud-Dienste wie OneDrive sind dafür ein typisches Beispiel. Sie funktionieren gut – und genau deshalb hinterfragt man sie selten. Der Di.Day setzt hier an und stellt eine einfache Frage:

Muss meine zentrale Datenablage dauerhaft an einen einzelnen, außereuropäischen Anbieter gebunden sein?

OneDrive: technisch stark, strategisch bindend

OneDrive ist leistungsfähig, stabil und tief in Microsoft 365 integriert.
Aus technischer Sicht gibt es wenig zu kritisieren.

Aus strategischer Perspektive jedoch schon:

  • enge Bindung an das Microsoft-Ökosystem
  • US-Rechtsrahmen, auch bei Nutzung europäischer Rechenzentren
  • zunehmender Lock-in durch Identitäten, Office-Formate und Workflows
  • steigender Migrationsaufwand mit jeder weiteren Integration

Der Di.Day bewertet OneDrive nicht moralisch, sondern funktional:
Je zentraler ein Dienst wird, desto relevanter wird die Frage nach Alternativen.

Praxis: Was OneDrive im Alltag tatsächlich leistet

Wer OneDrive ablösen möchte, sollte zunächst ehrlich auf den eigenen Bedarf schauen.
In der Praxis geht es meist um:

  • automatische Synchronisation zwischen mehreren Geräten
  • Desktop- und Mobile-Clients
  • Versionierung und Wiederherstellung
  • einfaches Teilen von Dateien
  • Team- und Projektordner
  • grundlegende Zusammenarbeit an Dateien

Eine Alternative muss nicht identisch sein – aber verlässlich, stabil und alltagstauglich.

Deutsche und europäische Alternativen zu OneDrive

Nextcloud – maximale Kontrolle und hohe Flexibilität

Nextcloud ist für viele Szenarien die umfassendste Alternative:

  • Datei-Synchronisation auf allen gängigen Plattformen
  • Teilen von Dateien und Ordnern mit granularen Rechten
  • Team- und Projektstrukturen
  • Erweiterbar um Kalender, Kontakte und Office-Integration
  • Betrieb selbst oder über europäische Anbieter

Haltung:
Nextcloud ermöglicht echte Datenhoheit.

Praxis:
Sehr leistungsfähig, aber mit höherem Betriebs- oder Einrichtungsaufwand.

HiDrive (IONOS) – deutscher Cloud-Speicher mit geringem Umstiegsschmerz

HiDrive setzt auf einen klassischen Cloud-Ansatz:

  • Serverstandort Deutschland
  • Sync-&-Share wie bei OneDrive
  • einfache Migration
  • geringe Einstiegshürde

Haltung:
Ein klarer Schritt weg von US-Abhängigkeit.

Praxis:
Ideal für Nutzer, die möglichst wenig am Workflow ändern möchten.

luckycloud – deutscher Anbieter mit starkem Datenschutzfokus

luckycloud richtet sich an Anwender mit hohen Sicherheitsanforderungen:

  • Betrieb auf eigenen Servern in Deutschland
  • Zero-Knowledge-Ansätze
  • klare DSGVO-Ausrichtung

Haltung:
Datenschutz steht über maximalem Komfort.

Praxis:
Sehr gut für sensible Daten, weniger für komplexe Kollaboration.

TeamDrive – Ende-zu-Ende-verschlüsselte Zusammenarbeit

TeamDrive setzt konsequent auf Sicherheit:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • kein Zugriff des Anbieters auf Inhalte
  • bewährt in regulierten Umfeldern

Haltung:
Digitale Souveränität durch technische Begrenzung von Zugriffen.

Praxis:
Funktional fokussiert, dafür sehr sicher.

Proton Drive – Privacy-first für persönliche Daten

Proton Drive ist Teil eines datenschutzorientierten Ökosystems:

  • Zero-Access-Verschlüsselung
  • moderne Apps
  • klare Privacy-Positionierung

Haltung:
Konsequenter Schutz persönlicher Daten.

Praxis:
Gut für Einzelpersonen, eingeschränkt für Teamlaufwerke.

pCloud und Koofr – europäische Cloud-Speicher mit Fokus auf Usability

Diese Anbieter bieten einen Mittelweg:

  • europäische Unternehmen
  • klassische Cloud-Funktionen
  • einfache Bedienung

Haltung:
Bewusste Alternative zu US-Anbietern.

Praxis:
Solide Lösung für Privatanwender und kleine Projekte.

Welche Lösung passt zu welchem Bedarf?

BedarfEmpfehlung
Vollwertiger OneDrive-ErsatzNextcloud
Einfacher Umstieg, deutscher AnbieterHiDrive
Höchste Datenschutzanforderungenluckycloud, TeamDrive
Private, sensible DatenProton Drive
Komfortable EU-CloudpCloud, Koofr

Fazit: Di.Day heißt Verantwortung übernehmen – nicht verzichten

Der Digital Independence Day verlangt keine Perfektion.
Er fordert informierte Entscheidungen.

OneDrive abzulösen bedeutet nicht automatisch:

  • schlechtere Technik
  • kompliziertere Prozesse
  • Rückschritt

Es bedeutet:

  • sich mit Abhängigkeiten auseinanderzusetzen
  • Alternativen zu kennen
  • Verantwortung für die eigenen Daten zu übernehmen

Digitale Unabhängigkeit entsteht dort,
wo Haltung und Praxis zusammenkommen.

Der Cloud-Speicher ist einer der einfachsten Orte, damit zu beginnen.